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Wie sich eine Risikoschwangerschaft für mich anfühlte

15. Juli 2019

Als ich meinen Mutterpass herauskramte, um noch einmal stolz darin zu blättern, lachte es mich mit großen Buchstaben an: RISIKOSCHWANGERSCHAFT. Die Ärztin hatte es kaum thematisiert, aber hier stand es schwarz auf weiß. Und erst da wurde es mir so richtig klar. Ich war 37 Jahre alt und hatte eine Risikoschwangerschaft.

Was heißt das? Das heißt, dass die Wahrscheinlichkeit an Komplikationen (Fehlgeburten, Fehlbildungen etc.) mit dem Alter steigt und mit 35 eben ein höheres Risiko dafür besteht. Na prima…

Wie fühlt es sich an, mit Ü35 schwanger zu werden

Wenn ich behaupten würde, ich hätte mir darüber nie Gedanken gemacht, würde ich lügen. Natürlich hatte ich das. Und mit jedem Jahr, dass ich älter wurde, wurde auch die kleine, leise Stimme in meinem Ohr immer lauter. Und jetzt schrie sie mich förmlich an.

Aber warum bekommt man denn dann erst so spät Kinder?

Berechtigte Frage und um es kurz zu machen: Weil vorher eben nicht der richtige Mann da war. Ich befand mich zwar eigentlich immer in festen Beziehungen, aber um eine Familie zu gründen, sollte man eben auch einen Partner dafür haben, der das ebenso möchte.

Seit ich Teenager war, war klar, dass ich Kinder haben wollte. In meinem Kopf schien mir 25 ein gutes Alter dafür zu sein. Und ach ja, 3 Kinder sollten es sein. Aber wie heißt der Spruch so schön: „Immer wenn der Mensch anfängt, seine Zukunft zu planen, fällt im Hintergrund das Schicksal lachend vom Stuhl“. Und genauso ist es. Natürlich war ich weder mental noch wirtschaftlich mit 25 in der Lage an Kinder zu denken. Aber das wusste ja mein 13jähriges Ich damals nicht.

Glücklicherweise muss man sagen, dass ich mit 34 dann doch noch den Partner gefunden habe, mit dem ich mir eine Familie vorstellen konnte. Und das ist wirklich nicht selbstverständlich, wenn ich mich so umschaue. Doch natürlich muss man sich ja erst einmal kennenlernen um festzustellen, ob es passt. Und so strichen weitere 3 Jahre ins Land.

Und so kam es, dass ich erst mit 37 schwanger wurde. Zum Glück hat es das Schicksal in diesem Fall gut mit uns gemeint und es hat relativ schnell geklappt.

Und auch für meine Schwangerschaft bin ich sehr dankbar. Ich hatte keinerlei untypische Beschwerden oder Probleme, die mir meine Risikoschwangerschaft vor Augen hielten. Ich denke zwar, dass es mit Ende zwanzig für den Körper einfacher ist, die körperlichen Veränderungen/ Einschränkungen wegzustecken, aber das hielt sich alles im erträglichen Rahmen.

Natürlich gab es mehr Untersuchungen und natürlich machte man sich da jedes Mal Gedanken, aber zum Glück war immer alles unauffällig. Manchmal hatte ich das Gefühl bei der Blutspende zu sein, soviel Blut wie mir abgezapft wurde, um all die Tests durchzuführen. Auch den sogenannten *„Harmony“ Test habe ich machen lassen, um mich etwas sicherer zu fühlen.  (* Harmony Test: Mit seiner Hilfe lassen sich Down-Syndrom und andere Chromosomenanomalien (zumindest die Häufigsten) beim Kind mit hoher Sicherheit feststellen.)

Mir ging es gut. Der Verlauf war unproblematisch und zu keiner Zeit fühlte ich wirklich ein Risiko.

Vielleicht auch, weil meine Frauenärztin nicht wirklich eine große Sache daraus machte. Bei ihr gehört es zum Alltag, Mütter über 40 zu betreuen. Und es beruhigte mich, Frauen in ungefähr meinem Alter in der Praxis zu sehen, wie sie ihre dicke Babykugel streichelten und es scheinbar kaum erwarten konnten, das Baby bald zu empfangen.

Aber es gibt natürlich immer Leute im Umfeld, die mit Anfang/Mitte zwanzig ihre 2 Kindlein bekommen haben, und es äußerst fragwürdig finden, wenn Frauen „so spät“ noch Kinder bekommen. Und auch da muss man darauf gefasst sein (leider). Eine Bekannte sagte mal zu mir „Also Johanna…in deinem Alter…“ Das verletzte mich sehr. Es genügt ja, dass man sich selber sowieso schon verrückt macht. Da braucht man nicht noch zusätzliche Verunsicherung von außen.

Zum Glück war es so, dass ich mich längst nicht „so alt“ fühlte, wie ich war. Irgendwie ist meine innere Uhr bei Anfang 30 scheinbar stehen geblieben. Ich redete mir ein, dass meine körperliche Verfassung, die einer Zwanzigjährigen gleicht und mein Alter somit eigentlich kein Problem mehr darstellte. Und so war es am Ende auch.

Ich wünschte natürlich, jede Frau könnte das von sich behaupten und mir ist sehr bewusst, dass all das nicht selbstverständlich und ein großes Geschenk ist. Dafür bin ich dankbar. Sehr sogar.

Und ich wünschte, wir Frauen würden uns bei all dem besser unterstützen. Am Ende ist es doch für die wenigsten Paare so gut planbar, wie man es sich im Kindesalter so zurecht gelegt hat. Irgendwie funkt das Leben dann doch immer dazwischen…

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2 Comments

  • Reply Martina von Jolinas Welt 20. Juli 2019 at 10:18

    Darf ich dich fragen, wie du entschieden hättest, wenn der Test gesagt hätte das Kind hat Down Syndrom? Hattest du davor Angst.

    • Reply Jojo 20. Juli 2019 at 12:40

      Hallo Martina,
      Natürlich hatte ich davor angst. Und es ist wirklich sehr schwer zu sagen, wenn man nicht in der Lage war. Grundsätzlich muss man den Test nicht machen, wenn für einen selbst feststeht, dass man das Baby so oder so bekommen möchte. Aber wie man sich dann entscheidet, wenn man es muss, kann ich nicht zu hundert Prozent sagen. Sehr sehr schwere Frage.
      Lg jojo

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